| Indien |
von Simon 21.06.2011 08:55 Uhr
Mein letztes Wochenende hier in Manipal habe ich natürlich auch noch einmal zu einem Ausflug genutzt. Also ging es nach Hampi, einer der Orte hier in Karnataka die man sich auf keinen Fall entgehen lassen soll. Mittlerweile ist unsere internationale Reisegruppe schon auf 14 Reisende aus Östereich, Polen, Oman, Korea, Spanien, Frankreich und natürlich Deutschland angewachsen. Deshalb konnten wir dieses Mal sogar einen kleinen Privatbus mieten, der uns Freitagabend hin und Sonntagnachmittag wieder zurück brachte. Die fast 10 stündige Hinfahrt und siebenstündige Rückfahrt gehört nach sieben Wochen hier mittlerweile schon zum normalen indischen Alltag und auch das Schlafen in mehr oder weniger bequemen Sitzen ist mit etwas Übung kein Problem mehr.
Also kamen wir Samstagmorgen einigermaßen erholt in Hampi an. Hampi ist heute ein eher kleines Dorf, war aber um 1400 die Hauptstadt eines hinduistischen Königreichs. Dementsprechend gibt es dort unzählige historische Gebäude, Ruinen und Tempel. Alles an sich schon recht beeindruckend, so richtig besonders ist es aber vor allem durch seine Lage. Denn Hampi liegt an einem Fluss in mitten von Hügeln aus riesigen Granitfelsen. Eine Landschaft wie ich sie bisher noch nirgendwo gesehen habe. Zusammen mit all den Bauwerken und Tempeln sehr beeindruckend.
So verbrachten wir das Wochenende dann auch damit all die verschiedenen Tempel und Ruinen zu erkunden. Dazu mieteten wir uns 14 Fahrräder von indischer Qualität, manche sogar mit funktionsfähigen Bremsen. Immerhin waren sie ziemlich günstig. Auch unsere Unterkunft war ziemlich gut und preiswert. Und da gerade keine Saison ist kamen wir sogar mit 14 Leuten im selben Gasthaus unter. Samstagabend stiegen wir noch auf einen der Felshügel und genossen die Aussicht auf die Landschaft und die Bauwerke. Besonderes Glück hatten wir auch mit dem Wetter, denn trotz Monsunzeit regnete am ganzen Wochenende nicht ein Mal und die meiste Zeit schien sogar die Sonne. Sogar so viel, dass Indienneulinge dank Sonnenbrand nach einem Tag aussahen wie ein Tandoori-Chicken (stimmts Michael? ;-)). Trotzdem waren die Temperaturen sehr angenehm und es war nicht zu heiß.
Insgesamt war es ein sehr gelungener Ausflug zu einem faszinierenden Ziel und wir hatten viel Spaß mit unserer großen Reisegruppe. Ein echtes Highlight zum Abschluss meiner Zeit in Karnataka.
Denn am Freitag sind meine acht Wochen in Manipal schon zu Ende und ich werde mich mit dem Zug auf die Reise nach Delhi machen, um mich dort mit David zu treffen. Zunächst werden wir dann zwei Wochen durch Rajasthan reisen. Anschließend geht es wieder nach Delhi, wo die ebenfalls zweiwöchige Trekkingtour Richtung Himalaya startet. Nach der Tour werden wir noch einige Tage in Delhi und Agra verbringen und natürlich den Taj Mahal besichtigen, bevor ich David dann noch einige Tage in Singapur besuchen werde. Insgesamt also sechs Wochen reisen, auf die ich mich schon sehr freue.
Allerdings werde ich auf der Reise auch nicht mehr wirklich Zeit und Internet haben meinen Blog zu schreiben und das hier wird wahrscheinlich der letzte Blog aus Indien sein. Zum Abschluss bleibt noch zu sagen, dass ich eine unvergessliche Zeit hier in Manipal hatte, jede Menge gesehen und erlebt habe,viel Spaß hatte und viele nette Menschen getroffen habe.
Direktlink zu Letztes Wochenende in Karnataka: www.borschd.de/?pageid=12&blog=226
Kommentare (0)
| Indien |
von Simon 14.06.2011 11:47 Uhr
Nachdem ich mich erfolgreich von meinem Kurztrip ins indische Krankenhaus erholt habe und auch wieder richtiges indisches Essen zu mir nehmen kann, wollte ich natürlich auch das Wochenende nutzen. Bevor ich weiter reise wollte ich noch gerne die Jog Falls, Indiens höchste Wasserfälle und Hampi sehen. Da die Jog Falls nicht besonders weit (160km) von hier entfernt sind beschlossen wir dort nur einen Tagesausflug hin zu machen. Am Samstag blieben wir also in Manipal und versuchten mehr oder weniger erfolglos verschiedene Erledigungen zu machen. Zum Beispiel hätte ich gernen meinen Gehaltsscheck abgeholt, aber der Türsteher wollte mich mit kurzer Hose nich in die Uni lassen..
Abends ging es dann noch in den berühmten Tempel im Nachbarort Udupi. Der ist zwar nicht besonders groß aber auch überregional bekannt. Wir nahmen dort an der Puja, einem allabendlichen hinduistischen Ritual teil. Das Ganze ist eigentlich relativ schnell beschrieben: voll, laut, chaotisch. Nicht unbedingt schön aber gehört wohl zu den Sachen die man mal gesehen haben muss wenn man in Indien ist. Ansonsten ist der Tempel ganz hübsch und man konnte sich sogar vom Tempelelefant segnen lassen. Nachdem man ihm eine Münze in den Rüssel gelegt hat, hat er einem den selbigen über den Schädel gezogen. Nun bin ich also offiziell vom Elefanten gesegnet. Anschließend gab es in Udupi noch ein Masala-Dosa, eine Art Pfannkuchen aus Reismehl mit Kartoffel-Masala-Füllung. Dafür ist Udupi mehr oder weniger in ganz Indien bekannt.
Am Sonntag ging es dann schließlich früh morgens auf zu den Jog Falls. Mittlerweile hat sich hier schon eine stattliche Reisegruppe aus internationalen Praktikanten angesammelt. So machten sich dann drei Omaner, drei Deutsche, ein Spanier, ein Koreaner und eine Irin hoffnungsfroh auf zum Busstand. 160 Kilometer sollten ja eigentlich kein besonderes Problem sein, aber wir sind ja hier schließlich in Indien. So dauerte es dann erst ein mal fünf Stunden um zu einem Ort in der Nähe der Jog Falls zu kommen. Nach einer kurzen Pause mit mittelmäßigem Mittagessen ging es weiter noch einmal etwa eine Stunde zu den Wasserfällen. Dort angekommen begrüßte uns erst einmal der Monsun mit einem ordentlichen Regenguss. Die Wasserfälle waren zunächst auch nicht zu sehen, da es gleichzeitig auch noch neblig war. Da wir aber sonst nichts zu tun hatten, namen wir erst einmal einen Guide, der uns zu verschiedenen Orten um die Wasserfälle fahren wollte, wo man diese gut sehen kann. Das hat sich insgesamt dann auch durchaus gelohnt, da sich der Regen und Nebel nach und nach verzog und man immer wieder eine ganz gute Sicht auf die Wasserfälle hatte. Die Höhe der Wasserfälle war schon recht beeindruckend (oder wie Brian dazu sagte: "ooohhhhh ... freakin\' mother nature"). Allerdings merkte man schon, dass der Monsun noch am Anfang ist und dass auf den Bildern die man vorher gesehen hatte irgendwie mehr Wasser da war als dieses Wochenende. Trotzdem war es interessant, die Landschaft dort zu sehen und auch das Wetter passte irgendwie ganz gut ins Bild. Und auch die ersten indischen Affen sind mir dort im Gebirge begegnet.
Wir beschlossen dann nicht all zu spät wieder zurück zu fahren, da wir alle am nächsten morgen wieder arbeiten mussten. Da der direkte Bus nach Udupi erst um halb neun an den Jog Falls los fährt (und ca. fünf Stunden braucht) kam der also nicht wirklich in Frage. Wir fragten uns dann ein wenig durch und erfuhren, dass um halb 5 ein Bus nach Batkal an der Küste fahren soll, von wo aus man weiter nach Udupi kommt. Um zehn vor halb vier an der Bushaltestelle angekommen hieß es dann der Bus sei schon weg. Tatsächlich .. auch das gibt es Busse die in Indien zu früh (!) abfahren. Die nächste Alternative hieß dann Bus um fünf nach Hanovar, ebenfalls irgendwo an der Küste und von dort nach Udupi. Nach über zwei Stunden dort angekommen mussten wir eine weitere Stunde auf den nächsten Bus nach Udupi warten. Und wie dieser es dann schaffte für etwas über 100 Kilometer vier Stunden zu brauchen, wird wohl für immer ein Geheimnis bleiben. Überfüllt war er auch noch, sodass viele von uns fast die vollen vier Stunden stehen mussten. Wir haben es also tatsächlich geschaft für 160 Kilometer über sieben Stunden zu brauchen. Immerhin sind wir angekommen und so ist das halt nun mal in India ;-)
Direktlink zu Lost in India: www.borschd.de/?pageid=12&blog=225
Kommentare (0)
| Indien |
von Simon 10.06.2011 11:23 Uhr
Wenn man Indien wirklich in all seinen Facetten erleben möchte kann man es sich natürlich auch nicht nehmen lassen ein indisches Krankenhaus zu besuchen… und am besten gleich mehrere Tage dort zu verweilen.
Dienstagmorgen wachte ich mit ziemlich hohem Fieber auf und da mir zusätzlich ziemlich übel war und ich nicht ein mal einen Schluck Wasser trinken konnte ohne mich danach direkt zu übergeben ließ ich mich überzeugen zum Arzt zu gehen. Da der halbe Ort hier aus einem sehr guten Uni-Krankenhaus besteht, haben mich Faheem und Vivek auch direkt dort hingebracht. Zunächst lief alles ganz gut und ich musste nicht einmal warten. Nach einer gründlichen Untersuchung teilte mir der Arzt dann plötzlich mit, dass er mich gleich stationär einweisen möchte. Da ich darauf nicht besonders viel Lust hatte begann ich ein wenig mit ihm zu diskutieren. Schließlich ließ ich mich von dem Argument „In India we have some really dangerous diseases like…“ dann zählte er Malaria, Typhus und andere unschöne Sachen auf. Also gut. Eine Nacht im indischen Krankenhaus. Zunächst wurden mir dann sämtliche Medikamente gespritzt und mir ging es eigentlich wieder ziemlich gut. Ich konnte wieder Essen, Trinken und auch das Fieber fiel. Gegen Abend ging es mir schon wieder recht gut und ich konnte zahlreichen Besuch empfangen. Unter anderem wurde mir dann auch erklärt, dass es hier durchaus normal ist, dass man gleich stationär für mehrere Tage aufgenommen wird wenn man mit Fieber ankommt. Außerdem erklärte mir Abinith, dass Inder wenn sie nicht so genau wissen wie sie besonders überzeugend argumentieren sollen ihre Sätze mit einem lang gezogenen „In India …“ beginnen.
Abends sagte mir ein Arzt dann, dass ich das Krankenhaus schon am nächsten Tag verlassen könne wenn sich alles gut entwickele. Am nächsten Tag sah das leider schon wieder anders aus. Mir ging es zwar nun auch ohne Medikamente wieder ziemlich gut und auch die Malariatests waren negativ, aber die Ärzte wollten nichts von einer Entlassung wissen. Als ich wieder zu diskutieren begann bekam ich mal wieder diverse „In India“ zu hören. Aber mittlerweile weiß ich ja wie man das interpretieren muss. Entlassen wollten die Ärzte mich aber trotzdem nicht. Schließlich könne ich ja Typhus haben und die Blutkulturen für den Test seien noch nicht da. Auch dass ich gegen Typhus geimpft bin beeindruckte niemanden so richtig. Also noch eine Nacht im Krankenhaus und noch einmal schlechtes Krankenhausessen. Denn indisches Essen praktisch ohne Salz und nur sehr vorsichtig gewürzt ist irgendwie ziemlich sinnlos. Schließlich sind die Gewürze ja das was indisches Essen ausmacht. Zum Glück hatten mir meine Freunde hier massenhaft Obst und Kekse mitgebracht.
Auch mit meinem Zimmergenossen hatte ich mich mittlerweile etwas unterhalten. Obwohl er nur Hindi sprach haben wir es zumindest geschafft auszutauschen was wir so in Manipal machen und warum wir im Krankenhaus sind. Nachdem er und seine Freunde dann noch das obligatorische Erinnerungsfoto mit dem weißen Mann bekommen haben war ich am nächsten Tag also nun wirklich bereit entlassen zu werden.
Und tatsächlich .. morgens um elf teilten mir dann die versammelten zehn bis 15 Ärzte die bei jeder Visite um mein Bett standen mit, dass ich nun entlassen werde, sobald die Papiere fertig sind und die Infusionsnadel aus meiner Hand entfernt wurde. Nach einer Stunde und drei Nachfragen bei verschiedenen Ärzten und Schwestern wurde die Nadel dann immerhin entfernt. Und nach drei weiteren Stunden war dann auch der Papierkram erledigt. Ja in Indien dauert Papierkram immer so lange und drei Stunden sollten einen eigentlich nicht unbedingt wundern. Aber immerhin wurde ich ja dann entlassen, bin wieder fit und habe alles gut überstanden. Alles in allem war das Krankenhaus auch ganz in Ordnung und man wurde sehr sorgfältig betreut, vielleicht fast schon zu sorgfältig und vorsichtig, aber sicher ist sicher.. Und die vielen netten Besucher und die Hilfe der Inder bei allen Formalitäten haben das Ganze einigermaßen erträglich gemacht.
Direktlink zu In India ...: www.borschd.de/?pageid=12&blog=224
Kommentare (0)
| Indien |
von Simon 09.06.2011 15:03 Uhr
Schon wieder ist eine ganze Woche Indien vergangen. Die Zeit vergeht ganz schön schnell hier, vor allem wenn man sehr viel erlebt. Anfang der Woche wollte ich endlich mal das Projekt „Cricket in Indien“ anpacken und fragte jeden den ich hier kenne ob er mitspielen möchte. Gar nicht so einfach, da seit letzter Woche die meisten Studenten Ferien haben und nach Hause gefahren sind. Als ich dann endlich ausreichend Spieler gefunden hatte stellte sich dann noch heraus, dass keiner der hiergebliebenen einen Cricketschläger und Ball besitzt. Nach einigen Anrufen und Gesprächen war dann schließlich klar: Ganz Indien spielt Cricket, aber kein Inder besitzt die Ausrüstung ;-). Ich entschied mich dann einfach einen Cricket-Bat zu erwerben, da ich ohnehin darüber nachdachte einen mit nach Deutschland zu nehmen (wenn ich also im August wieder komme ist jeder herzlich eingeladen mit mir Cricket zu spielen). Nachdem die Ausrüstung also besorgt war ging es auf einen mehr oder weniger zufällig ausgesuchten Flecken Erde zwischen den Professorenhäusern und dem Manipal Tempel zum spielen. Es klappte eigentlich auch ohne größere Erfahrung ziemlich gut und machte jede Menge Spaß. Auch dass der Ball immer wieder aus dem Tempel oder dem ein oder anderen Garten geholt werden musste störte nicht wirklich. Hoffentlich können wir noch einmal spielen bevor ich abreise. Denn pünktlich zum Juni begann der Monsun. Das heißt hier in Manipal fast Dauerregen mit zwischenzeitlich auch ziemlich enormen Regengüssen. Das macht leider so ziemlich alle Sportplätze hier unbespielbar.
Am Wochenende sind wir (Claudia, Monique (eine weiter deutsche Praktikantin) und ich) dem Monsun aber noch einmal entflohen und nach Hyderabad gefahren. Hyderabad ist mit über sechs Millionen Einwohnern immerhin die sechstgrößte indische Stadt. Allerdings ist es auch über 800 Kilometer von Manipal entfernt, was eine fünfzehnstündige Busfahrt bedeutete. Los ging es Freitagabend um fünf in einem eigentlich recht komfortablen klimatisierten Semi-Sleeper Bus. Semi-Sleeper bedeutet, dass man die Sitze etwas mehr als im normalen Reisebus üblich nach hinten klappen kann und eigentlich recht komfortabel bedeutet in diesem Fall es hätte komfortabel sein können wenn die Klimaanlage den Bus nicht auf gefühlte 15 Grad herunter gekühlte hätte. Auch die ausgeteilten Decken halfen nur begrenzt weiter. Und so kamen wir dann eher mäßig ausgeschlafen am nächsten morgen in Hyderabad an. Am Busstand wurden wir Akash, einem IAESTE-Mitglied aus Hyderabad abgeholt und zu unserem Hotel gebracht. Das Zimmer hatte er schon vorher für uns organisiert und es war recht schön und auch nicht zu teuer. Anschließend ging es sofort los in die Stadt. Zunächst besuchten wir die berühmte Charminar und schauten uns im näheren Umfeld etwas genauer um. Dabei konnte man allerdings das Gefühl haben, dass nicht die Charminar die Sehenswürdigkeit ist sondern wir. Alle paar Minuten wollte irgendwer ein Foto mit oder von uns machen oder auch nur unsere Hände schütteln. Irgendwann sollten wir endlich mal anfangen Geld für Fotos zu verlangen, dann würden sich die Ausflüge wahrscheinlich von selbst finanzieren. Die Stadt ist insgesamt sehr muslimisch geprägt, weshalb es auch eine riesige Moschee gibt. Der Eintritt in diese wurde uns allerdings aus für uns nicht ganz ersichtlichen Gründen verwehrt. Also ging es weiter zum Chowmahalla Palace, einem Gelände mit verschiedenen Palästen, die teilweise auch noch als Museen dienten. Es war alles sehr schön und auch interessant, da man dort etwas mehr über die arabischen Einflüsse in Hyderabad erfuhr. Nachdem dann auch noch die Mädels auf ihre Kosten kamen und etwas einkaufen konnten organisierte Akash uns noch eine Riksha zum berühmten Golconda Fort. Zunächst haben wir uns dort etwas auf eigene Faust umgeschaut um uns dann anschließend von der Sound and Light Show berieseln zu lassen. Sound and Light Show klingt vielleicht etwas spektakulärer als es war. Eigentlich wurden hauptsächlich Geschichten rund um Golconda erzählt und einige Teile des Forts in unterschiedlichen Farben beleuchtet. Wie gesagt nicht unbedingt spektakulär, aber ganz interessant war es trotzdem.
Abenteuerlich wurde dann die Heimfahrt. Akash sagte uns wir sollten nicht mehr als 130 Rupien für die Riksha bezahlen. War allerdings leichter gesagt als getan, schließlich ist es nicht unbedingt schwierig zu sehen, dass wir nich aus Hyderabad stammen. Und Touristen abzocken ist definitiv eine der Lieblingsbeschäftigungen von Rikshafahren. So waren dann die ersten Angebote der Fahrer um die 300 Rupien angesiedelt. Nach halbstündigen zähen Verhandlungen mit etwa zehn verschiedenen Fahrern waren wir dann immerhin bei 150 angekommen. Allerdings beförderte uns die dubiose Riksha nur einige hundert Meter weit um uns dann zu sagen wir sollen in eine andere Riksha umsteigen. Da uns nichts anderes übrig blieb machten wir das auch, ohne zu wissen, dass die Riksha in die wir stiegen die langsamste in ganz Indien sein dürfte. So ging es dann also im Schritttempo von Golkonda in die Altstadt. Nach einer halben Stunde endlich dort angekommen stellte sich dann heraus, dass der Fahrer keinerlei Ahnung hatte wo unser Hotel ist. Er begann also alle fünf Meter anzuhalten und Leute zu fragen wo es denn sein könnte. Nach einiger Zeit versuchten wir ihn zu überzeugen uns einfach „freizulassen“ damit wir das Hotel auf eigene Faust suchen konnte. Schließlich wurde es schon so spät, dass die meisten Restaurants schlossen und wir hatten noch nichts gegessen. Aber weder ein Angebot von 50 Rupien, noch der Versuch einfach weg zu laufen halfen. Schließlich mischten sich noch ca. 20 andere Passanten in unsere Diskussionen ein und wir einigten uns darauf den Preis für die viel zu lange Fahrzeit auf 100 Rupien zu reduzieren, wenn uns der Fahrer tatsächlich noch zum Hotel bringt. Als es ihm dann jedoch gelang das Hotel zu finden forderte er plötzlich wieder 150 und wurde auch noch ziemlich aggressiv. Auch die Hotelangestellten schlugen sich eher auf die Seite des Fahrers als auf unsere Seite. Nach heftigen Diskussionen konnten wir uns dann letztlich auf 130 Rupien einigen. Nach eineinhalb Stunden waren wir also endlich angekommen, um 130 Rupien ärmer aber um einiges an Erfahrung reicher. Und am Ende haben wir sogar noch ein geöffnetes Restaurant zum Abendessen gefunden.
Am nächsten Morgen ging es dann auf zum Tempel. Dieser war ziemlich groß, aus weißem Marmor und sehr schön. Außerdem ermöglichte seine Lage auf einem Hügel einen schönen Blick auf die umliegenden Teile der Stadt. Im Gegensatz zu Gokarna war es dieses Mal sogar erlaubt den Tempel als Nicht-Hindu zu betreten. Bemerkenswert war auch, dass im Tempel auf verschiedenen Bildern neben dem Hinduismus zum Zeichen der Toleranz auch andere Religionen wie zum Beispiel das Christentum und der Islam verewigt wurden.
Nach dem Tempel ging es weiter zu einem See in dessen Mitte eine Buddha-Statue steht. Da unsere Freunde die Rikshafahrer meinten sie müssten uns auf dem Weg zum See unbedingt zu einem Laden führen wo wir ach so tolle Sachen kaufen könnten, beschlossen wir dann doch lieber zu laufen. Am Seeufer passierten wir zunächst einen kleinen Park in dem es eine Bootsanlegestelle gab. Von dort aus nahmen wir ein Boot zur Statue. Diese sah von weitem zwar irgendwie größer aus als sie tatsächlich war, aber immerhin ist sie so bekannt, dass sogar der Dalai Lama ihr schon einen Besuch abstattete.
Nach zwei sehr ereignisreichen Tagen ging es dann am Nachmittag schließlich wieder zum Busstand. Auch Akash ist noch einmal dort hin gekommen um uns zu verabschieden. Auf der Rückfahrt war die Müdigkeit dann auch groß genug um im Bus schlafen zu können und sogar die Klimaanlage war etwas vernünftiger eingestellt als auf der Hinfahrt. So kamen wir also mehr oder weniger fit Montagmorgen wieder in Manipal an.
Direktlink zu Cricket und Hyderabad: www.borschd.de/?pageid=12&blog=223
Kommentare (0)
| Sonstiges |
von Felix 05.06.2011 18:29 Uhr
Seit einigen Wochen gibt es in den Medien (endlich?) wieder ein neues Thema, dass es mit (auf Dauer öde) Fukushima I oder (besonders gut abgehangen) dem Stuttgarter Hauptbahnhof aufnehmen kann: EHEC. Einem Colibakterienstamm, dem in Norddeutschland angeblich bereits einige Menschen zum Opfer fielen. Diese Beobachtung alleine wäre aber nicht ausschweifend genug um damit das Heute Journal, die Tagesthemen und zusätzlich noch einige Sondersendungen sowie Talkrunden angemessen zu füllen. Dem Zuschauer muss etwas geboten, ja, etwas zum Fraß vorgeworfen werden (Wortwitz). Nur: Ein Bakterium eignet sich dafür schlecht. Es kann keine Interviews geben, telegen ist es sowieso nicht und vor Gericht bringen kann man es erst recht nicht. Nein, der Schuldige muss etwas anderes sein. Zum Beispiel spanische Gurken. Ungeachtet dessen, dass es viele Millionen verschiedener Bakterien gibt reichte der Fund einiger Sorten auf Salatgurken aus um, selbstverständlich befreit von jeder Reflexion, stolz den Verantwortlichen für die Seuche präsentieren zu können.
Doch dann das niederschmetternde Ergebnis: Es waren nicht die Gurken. Einen Industriezweig ganz umsonst beschädigt. Schnell musste es etwas anderes sein. Der Hamburger Großmarkt, ein Restaurant in Lübeck und dort verzehrte Tomaten wären doch auch sehr logische Bakteriennährböden. Schließlich liegt sowohl Hamburg als auch Lübeck in Norddeutschland und Tomaten sind Gemüse. Das sollte doch Beweis genug sein.
Doch wieder war man nicht richtig erfolgreich. Jetzt aber das Neueste: Sprossen. Diese geschmacklich neutralen Keimlinge werden doch meistens von diesen eigenartigen chinesischen Restaurants verwendet. Da passen auch gut Bakterien hin. Diesmal ist die Spur richtig heiß. Denkt man.
Und wenn nicht, hier noch ein paar Vorschläge: Auberginen (sehen sowieso schon komisch aus und auf der dunklen Haut kann sich die Bakterie gut verstecken), Grünkohl (gibts auch in Norddeutschland), Sushi (kein Gemüse, aber immer verdächtig), Radieschen (Warnfarbe!), McDonalds (auch kein Gemüse, muss aber irgendwie ungesund sein)..
Direktlink zu Eine wilde Fahrt über die Speisekarte..: www.borschd.de/?pageid=12&blog=222
Kommentare (2)
| Indien |
von Simon 30.05.2011 13:22 Uhr
Im zweiten Anlauf hat uns Indien dieses Wochenende tatsächlich nach Gokarna geführt. Alle sind gesund und munter geblieben und wir konnten tatsächlich ein Wochenende dort verbringen. Samstagmorgen ging es also los. Halb sieben morgens am Tiger Circle mit meinem Mitbewohner Ronaldo, Claudia, einer deutschen hier in Manipal und Abhinit, einer der indischen Studenten. Zunächst wollten wir mit dem Bus zum Bahnhof und von dort nach Gokarna. Bus kam keiner, also dann doch lieber mit zwei Rikshas. Man sollte grundsätzlich etwas früher am Bahnhof sein um noch Tickets kaufen zu können, was hier ja nicht immer so einfach ist. Dieses Mal war es allerdings alles problemlos, denn wir reisten in der General Class. Das heißt man hat zwar keinen garantierten Sitzplatz und man muss damit rechnen dass der Zug überfüllt ist, aber immerhin darf man in den Zug und kommt von A nach B. Nachdem das mit den Tickets recht zügig klappte mussten wir noch eine dreiviertel Stunde auf die planmäßige Abfahrt des Zuges warten. Aus der dreiviertel Stunde wurden dann aber etwa das Doppelte, denn der Zug hatte eine Menge Verspätung. Also mussten wir erst einmal warten und indischen Tee trinken. Enorm süßer Tee mit wahrscheinlich mehr Milch als Wasser. Aber als Nicht-Tee-Trinker gar nicht mal schlecht.
Als der Zug dann endlich kam kämpften wir uns in den Wagen, der natürlich ziemlich überfüllt war. Zweieinhalb Stunden stehen in einem vollen Zug bei über 30 Grad. Nicht ganz so angenehm, aber immerhin sind an der Decke des Zuges unzählige Ventilatoren montiert, die einem Kühlung verschaffen. Aus zweieinhalb wurden dann am Ende natürlich auch drei Stunden, weil in Indien die meisten Strecken eingleisig sind und wir dann immer wieder warten mussten, bis andere Züge den nächsten Streckenabschnitt freimachen.
Also sind wir schließlich irgendwann nach zwölf mittags in Gokarna angekommen statt wie geplant um kurz nach zehn. Nach einer kurzen Taxifahrt vom Bahnhof in den Ort war es erst einmal Zeit nach einem Zimmer und Mittagessen Ausschau zu halten. Da Gokarna ein ziemlich kleines Dorf ist und Claudia schon zum zweiten Mal dort war ging beides recht schnell und problemlos. Wir kamen in einem kleinen Gasthaus unter was recht günstig war und ganz vernünftige Zimmer hatte. Auch das Essen war ziemlich gut und die Atmosphäre hatte ein Bisschen was von einem Besuch bei einer indischen Familie.
Gokarna selbst ist ein sehr interessanter Ort. Es ist wirklich ein kleines Dorf, was alleine schon sehenswert ist, da die Unterschiede zu größeren Städten schon ziemlich groß sind. Zudem hat Gokarna noch jede Menge Tempel, obwohl es wie gesagt sehr klein ist. In diese darf man als Nicht-Hindu zwar nicht hinein, dafür sind aber unzählige Pilger unterwegs und der ganze Ort hat eine ganz besondere Atmosphäre.
Vom Mittagessen gestärkt ging es dann auf eine kleine Wanderung zum Kudle Beach, einem der Strände in der Gegend um Gokarna. Um dort hin zu gelangen, muss man über einen kleinen Berg laufen. Von dort aus hat man einen schönen Blick auf Gokarna und das Meer. Auch landschaftlich ist es sehr Interessant, da der Berg aus schwarzen Lavafelsen besteht, die immer wieder aus der rötlichen Erde herausragen. Mitten auf dem Berg passierten wir natürlich ein Cricketfeld, das durch sorgfältig positionierte Lavasteine abgegrenzt war. Und auch die 35 Grad und Nachmittagssonne können einen Inder nicht davon abhalten Cricket zu spielen. Nachdem wir den Berg schließlich überquert haben, lag eine schöne Bucht mit einem menschenleeren Strand vor uns. Das Baden hat dort sehr viel Spaß gemacht, da es zwar relativ flach ins Wasser ging, die Wellen dafür aber ziemlich hoch waren. So konnte man trotz relativ starker Strömung problemlos baden und sogar mit dem in Gokarna erworbenen Plastikball spielen.
Den Abend verbrachten wir schließlich in Gokarna. Wir suchten zunächst das andere von gefühlten zwei Restaurants im ganzen Ort auf um ein gutes Abendessen zu uns zu nehmen und schauten uns dann schließlich noch die vielen kleinen Läden an. Als diese dann so langsam schlossen entschieden wir noch ein Bierchen auf dem Zimmer zu trinken und Masala-Chips zu essen. Ist allerdings gar nicht so einfach in einem Ort wie Gokarna Bier zu finden. Aber da sich Claudia ja schon auskannte führte sie uns in die Gokarnaer Unterwelt zu einem Alkoholladen am Bus-Stand. Nachdem der Verkäufer die Flaschen dann in Zeitungspapier einrollte und in einer Tüte versteckte, mutete das ganze tatsächlich irgendwie illegal an. Nachdem Abhinit einen kurzen Crashkurs im Bierflaschen öffnen erhalten hatte saßen wir noch gemütlich zusammen und genossen das durchaus ganz gute indische Kingfisher Bier.
Am nächsten morgen gab es zunächst ein indisches Frühstück in unserem Gasthaus und es ging frisch gestärkt zum Om Beach. Da dieser ein gutes Stück von Gokarna entfernt ist, suchten wir eine Riksha die uns zu einem akzeptablen Preis dort hin fährt. Nach einigen Verhandlungen fand Abhinit dann einen Rikshafahrer, der bereit war uns zu viert samt Gepäck in einer Riksha zum Stand zu fahren. Auf dem Weg dort hin machten wir einen kurzen Fotostopp auf einem Berg mit einer wunderschönen Aussicht. Die Landschaft um Gokarna herum ist toll. Auf der einen Seite ist es sehr bergig mit den Western Ghats im Hintergrund und auf der anderen Seite ist das Meer mit tollen Stränden.
Der Strand selbst war dann wunderschön. Insgesamt relativ schmal und klein, dafür aber mit Schattenspendenden Bäumen und ziemlich sauber. Beim Baden musste man ein wenig aufpassen, da überall im Wasser verteilt einzelne Lavafelsen aus dem Boden ragten. Da die Bucht aber ziemlich geschützt ist, waren Strömung und Wellen nicht so stark, dass das ein Problem war. Insgesamt hatten wir einen tollen Vormittag mit dem Baden im warmen arabischen Meer und dem entspannten liegen am Strand im Schatten eines Baumes. Der Strand war zwar nicht ganz so leer wie Kudle Beach, aber weit davon entfernt überfüllt zu sein. Bis auf einige Einheimische, wenige Hotelgäste eines nahegelegenen Hotels und einigen Hippies war nicht sehr viel los. Aussteiger und Hippies gibt es in Gokarna durchaus einige. Wahrscheinlich die, denen Goa mittlerweile zu touristisch geworden ist. Außerdem waren noch einige Kühe am Strand, was durchaus auch mal bei Indern (Abhinit ;-) zu Irritationen führen kann.
Nach dem Mittagessen ging es dann schließlich wieder zurück nach Manipal. Die Heimfahrt war ziemlich unproblematisch, da zufällig gerade als wir am Bahnhof waren ein Expresszug fuhr der nicht ganz so überfüllt und deutlich schneller war, als der Zug auf der Hinfahrt. Wieder in der Wohnung angekommen konnten wir dann auch unseren neuen koreanischen Mitbewohner Brian begrüßen. Brian deshalb, weil er in Kalifornien studiert und nicht in Korea und dort wahrscheinlich keiner seinen Namen aussprechen konnte. Mal sehen ob er bei der nächsten Wochenendreise auch am Start ist…
Direktlink zu Tatsächlich Gokarna: www.borschd.de/?pageid=12&blog=221
Kommentare (0)
| Indien |
von Simon 23.05.2011 17:44 Uhr
Indien ist auf jeden Fall immer für Überraschungen gut. Planen hat hier nur begrenzt Sinn und von heute auf morgen sieht meistens alles wieder ganz anders aus. So kann man sich zum Beispiel für das Wochenende vornehmen für zwei Tage nach Gokarna zu fahren (ca. 200 km nördlich von hier) und landet dann am Ende in Bekal in Kerala dem Nachbarstaat von uns (ca. 120 km südlich) ... also praktisch genau entgegengesetzt. Man könnte fast sagen man macht keine Ausflüge in Indien, sondern Indien macht die Ausflüge mit einem. Aber der Reihe nach:
Freitagabend .. Sachen packen für Gokarna, der Zug fährt Samstagmorgen schon um sieben in Udupi ab. Kaum waren die Sachen gepackt kam mein spanischer Mitbewohner, der mit mir nach Gokarna wollte an und erzählte es gehe ihm wieder schlechter. Er hatte nämlich seit Mittwochabend mit den Folgen indischen Essens zu kämpfen, meinte aber am Freitag es wäre wieder alles gut und wir können nach Gokarna. Samstagmorgen war es dann endgültig klar: Kein Gokarna. Natürlich machte sich auch gleich entsprechender Frust breit, denn hier schwärmt jeder über Gokarna, muss einer der schönsten Orte hier in der Gegend sein.
Also was nun .. ein ganzes Wochenende und nichts zu tun? Manipal gibt auch nicht so viel her, dass man unbedingt die ganze Zeit hier rumhängen muss. Um die Zeit rum zu kriegen erst einmal einige Sachen einkaufen und noch einmal eine kleine Erkundungstour durch Manipal um die letzten unerforschten Flecken hier anzuschauen. Dazu gehörte bis zum Wochenende auch noch der Hockeyplatz, der am anderen Ende von Manipal ca. 25 Minuten zu Fuß von hier entfernt liegt. Allerdings hat sich der Weg dort hin nicht wirklich gelohnt. Es handelt sich dabei eher um eine Wiese, nicht einmal mit richtigen Hockeytoren. Sah nicht so aus als wäre da in letzter Zeit mal gespielt worden. Vielleicht auch weil gerade Prüfungszeit ist und danach der Monsun anfängt, wo hier definitiv nicht gespielt werden kann.
Später beim Abendessen mit meinem Mitbewohner (der sich wieder etwas erholt hatte) und einer Deutschen, die ich hier getroffen habe, haben wir besprochen was wir am Sonntag noch so machen könnten. Gar nicht so einfach, da die Wege in Indien doch recht weit sind und sich viele Sachen erst so richtig lohnen wenn man mehrere Tage dort verbringt. Am Ende haben wir uns dann auf Bekal geeinigt. Ein mehr oder weniger zufällig ausgewählter Ort in Kerala von dem wir eigentlich nur wussten, dass es dort ein Fort und einen Strand gibt. Keiner wusste so richtig ob es sich lohnen würde, dafür insgesamt sechs Stunden im Bus zu verbringen.
Am nächsten morgen ging es also über Mangalore und Kasaragod nach Bekal. Einfach mal schauen was es dort so gibt … Wir haben dann entschieden zuerst das Fort zu besichtigen und anschließend an den Strand zu gehen. Von außen sah das Fort eigentlich recht unscheinbar aus. Gewundert haben wir uns auch über die Eintrittspreise: 5 Rupien für Inder, 100 Rupien für Ausländer. Und dazu noch 25 Rupien extra wenn man eine Kamera mit sich führt. Ist zwar für europäische Verhältnisse nicht viel Geld, aber der Unterschied ist ja nun doch nicht gerade klein. Aber wenn man schon drei Stunden unterwegs war, ist einem das dann letztlich doch egal und man geht natürlich rein. Drinnen angekommen war es wirklich erstaunlich schön. Ein ziemlich großes Fort, eine tolle Aussicht aufs Meer und ein schöner parkähnlicher Garten im Inneren. Und das Ganze auch noch sehr gepflegt und ohne Müll in jeder Ecke (was in Indien höchst ungewöhnlich ist). Alles in allem eine echte Sehenswürdigkeit. Erstaunlich das dieses Fort ziemlich unbekannt ist, selbst bei den Indern hier in Manipal.
Einige Zeit und viele Fotos später war es Zeit zum Mittagessen. Direkt neben dem Fort gibt es ein kleines Hotel inmitten von Palmen und nur wenige Meter vom Strand entfernt. Ein toller Ort zum Mittagessen und geschmeckt hat es auch noch. Anschließend gab es dann noch die wohl verdiente Abkühlung im Meer. In Bekal gab es sogar richtig große Wellen, was das Baden noch etwas spaßiger machte als sonst (zumindest so lange bis als wir gerade gehen wollten eine riesige Welle kam und unsere Sachen wegspülte).
War echt ein toller Ausflug nach Kerala. Offensichtlich bringt Indien einen schon zu interessanten Orten. Wenn auch nicht immer da hin wo man wollte. Gokarna steht jetzt übrigens für nächstes Wochenende auf dem Plan. Mal sehen wohin uns Indien dieses mal mitnimmt ;-)
Direktlink zu Quo vadis India?: www.borschd.de/?pageid=12&blog=220
Kommentare (0)
| DER BORSCHD |
von dem BORSCHD 18.05.2011 23:02 Uhr
Wir unterbrechen mal kurz den Bericht aus Indien.
Nach 4 Jahren haben wir dem BORSCHD mal wieder einen neuen Auftritt verpasst! Viel Spaß beim Lesen!
Direktlink zu NEU NEU NEU: www.borschd.de/?pageid=12&blog=219
Kommentare (0)
| Indien |
von Simon 17.05.2011 14:15 Uhr
Da das letzte Wochenende ja eher unerfreulich war, war die Hoffnung groß, dass dieses Wochenende wieder besser wird. Nachdem ich eine Woche lang ungefähr jeden den ich hier getroffen habe damit genervt habe, wie ich an ein Zugticket nach Delhi dran kommen könnte, gab es zumindest einen einzigen der mir etwas Hoffnung machte. Ein Travel Agent hier in Manipal meinte ich könne eines der Tourist Quota Tickets in Mangalore am Bahnhof bekommen. Zwar sagte fast jeder andere den ich fragte, dass es dort auch keines dieser Tickets gibt, aber ich hatte gerade nichts zu tun also probierte ich es. 65 km Busfahrt, d.h. eineinhalb Stunden Bus und danach noch acht Kilometer mit der Riksha für die kleine Chance auf ein Zugticket. Klingt verrückt, allerdings muss man sagen, dass die Teilnahme am indischen Straßenverkehr per se schon ein Erlebnis ist und es auch eine Menge unterwegs zu sehen gab. Schließlich gesund am Bahnhof angekommen fragte ich nach dem Ticket und wurde nicht einmal angeschaut wie ein Alien .. sondern nur zum nächsten Schalter verwiesen. Dort wurde ich dann wieder zum nächsten Schalter verwiesen, womit ich dann am dritten und letzten angekommen war. Also fragte ich vorsichtig nach. Ich hatte mich schon auf zähe Verhandlungen eingestellt, nach allem was man hier so hört. Aber nichts .. ohne jede genauere Nachfrage und ohne jedes Problem wurde ich aus Tourist Quota gebucht und habe mein Ticket erhalten. Nicht einmal meinen Pass wollte der Herr sehen (hat mir offensichtlich auch so abgenommen, dass ich kein Inder bin ;-).
Und weil wir schon mal dort waren haben wir bei der Gelegenheit gleich noch Mangalore angeschaut. Besonders viel zu sehen gibt es dort allerdings nicht. Eine der Sehenswürdigkeiten ist tatsächlich eine katholische Kirche. Ansonsten ist es einfach eine große indische Stadt (wobei .. für Indien eigentlich gar nicht so groß aber immerhin etwa wie Stuttgart). Viele kleine Läden, Verkehrschaos, jede Menge Menschen… Aber war insgesamt doch eine sehr interessante Erfahrung sich zum ersten Mal ohne indische Hilfe in einer relativ großen Stadt zurecht finden zu müssen ohne zum Beispiel von den Rikshafahrern abgezockt zu werden. Da ist es dann eher wieder von Nachteil nicht gerade wie ein Inder auszusehen.
Am Sonntag ging es mal wieder auf zum Strand. Diesmal nach Malpe Beach, was hier der nächstgelegene Strand ist. Als wir um halb vier dort angekommen sind war es wunderschön. Feiner weißer Sand, Palmen und das angenehm warme arabische Meer. Auch die Atmosphäre war zunächst etwas gewohnter als beim letzten Ausflug zum Strand. Einige badeten tatsächlich ohne T-Shirt. Um fünf allerdings wurde es schlagartig voll. Es pilgerten wirklich massenhaft Menschen zum Strand. Den meisten hier ist es nachmittags nämlich noch zu warm um das Haus zu verlassen. Und plötzlich kam man sich vor wie ein Affe im Zoo. Offensichtlich hatten viele hier noch nie einen Weißen gesehen, sodass sie mich ausgiebig begutachteten. Es scheint den meisten auch in keiner Weise unangenehm zu sein andere Menschen anzuglotzen. Sehr merkwürdig .. wohl noch ein Nachteil wenn man hier nicht wirklich aussieht wie ein Inder. Dafür wurde ich ja aber immerhin mit einem problemlosen Bahnticket entschädigt und hatte auch sonst auf jeden Fall ein schönes Wochenende.
Direktlink zu Nur weil ich weiß bin ..: www.borschd.de/?pageid=12&blog=218
Kommentare (0)
| Indien |
von Simon 12.05.2011 18:46 Uhr
Abends wenn es hier etwas abkühlt bewegt sich halb Manipal Richtung Sportplätzt beim End Point, um zu kicken, Cricket zu spielen oder joggen zu gehen. Erstaunlich daran ist, dass die Fußball- und der Cricketplatz in einem wirklich guten Zustand sind. Erstaunlich vor allem wenn man bedenkt, dass es hier seit etwa acht Monaten praktisch gar nicht geregnet hat..
Also machen wir es wie der Rest von Manipal und pilgern auch zum Sportplatz. Da noch niemand Zeit hatte uns Cricket richtig zu erklären (schreiben ja alle zur Zeit Prüfungen) bevorzugen wir momentan noch die einfache Variante und gehen kicken. Nachdem wir heute schon zum dritten mal dort waren, kennen wir nun auch schon genügend indische Hobbykicker um immer ein paar bekannte Gesichter wieder zu treffen. Manche scheinen hier jeden Abend auf dem Kickplatz zu verbringen.
Aber auch beim Fußball ist in Indien vieles anders. Bei unserem ersten Versuch hier erwischten wir eine Gruppe, die eine etwas merkwürdige Regelauslegung hatte. Es gab weder Eckbälle noch Einwürfe und bei jedem Zweikampf wurde Foul gerufen und es gab einen Freistoß. Das lag vielleicht aber auch daran, dass die Hälfte barfuß spielte und wahrscheinlich Angst um ihre Zehen hatte.
Beim zweiten und dritten Mal haben wir nun ein paar Jungs gefunden, die ganz normal kicken und mit denen das auch echt Spaß macht. Aber trotzdem herrschen hier erschwerte Bedingungen, denn was für Menschen gut ist, scheint auch für Tiere nicht schlecht zu sein. Und deshalb pilgern abends nicht nur die Menschen sondern auch sämtliche freilaufende Hunde und heilige Kühe zum End Point um sich auf den Sportplatz zu stellen. Man muss deshalb zunächst einmal aufpassen, dass man beim kicken nicht in einen Kuhfladen tritt. Also immer ein Auge auf den Ball und eins auf den Platz. Manchmal finden es die Kühe aber auch ganz lustig auf dem Spielfeld herum zu laufen. Gelegentlich werden sie auf von den Hunden übers Spielfeld getrieben. Da hilft nur Spiel anhalten und gemeinsam Kühe und Hunde vertreiben. Wenn dann einer Kuh spontan einfällt vors Tor zu laufen, kann es aber auch mal passieren, dass sie ein Kopfballtor erzielt ;-)
Direktlink zu And she scores ...: www.borschd.de/?pageid=12&blog=217
Kommentare (0)
| Indien |
von Simon 09.05.2011 16:39 Uhr
Mein zweites Wochenende hier stand mehr oder weniger ganz im Zeichen des End Point. Samstag machten wir uns zunächst hoffnungsfroh auf um am Bahnhof von Udupi verschiedenste Zugtickets zu erwerben. Zum einen für die nächsten Wochenendausflüge und zum anderen für meine Abreise nach Dehli. Man muss dazu wissen, dass Bahnfahren in Indien irgendwie anders funktioniert als in Deutschland. Zum einen ist Indien nun mal eine kleine Ecke größer (ungefähr so groß wie Europa) und zum anderen sind die Züge nicht besonders schnell. Deshalb dauern die meisten Reisen entsprechend lang. Nach Dehli zum Beispiel würde ich je nach Zug zwischen etwas mehr als 30 und etwas mehr als 40 Stunden brauchen. Aus diesen Gründen gibt es fast nur Schlafwagen, in denen man Plätze fest buchen muss.
Die meisten Züge fahren hier ein mal am Tag, manche auch etwas seltener. Nun gibt es nun mal ein paar Inder und Zug fahren ist hier eine sehr günstige Variante der Fortbewegung. Dementsprechend sind die Züge Wochen vorher ausgebucht. Wie also kommt man nun zum Ausflug am nächsten Wochenende? Oder gar nach Dehli? Foreign Tourist Quota heißt das Zauberwort … dachten wir. Das sind Tickets die speziell für Ausländer reserviert sind und es ermöglichen auch noch einen Platz zu kriegen, wenn der Zug ausgebucht ist. Online kriegt man die leider nicht also auf nach Udupi..
Dort angekommen erst einmal warten .. dann feststellen dass man am falschen Schalter steht .. zum richtigen gehen, warten. Und dann? Computerabsturz bei allen Schaltern. Vor Abends geht nichts mehr. Also ging es zunächst ein mal wieder nach Hause. Morgen ist ja auch noch ein Tag.
Und was macht man dann mit so einem angebrochenen Tag? Ich endschied mich zum End Point zu gehen. Jener kleine Berg, der das Ende von Manipal markiert und von dem man einen wunderschönen Blick über die Palmenwälder der Täler rings herum hat. Also auf zum End Point .. Aber was kommt eigentlich nach dem End Point? Um das heraus zu finden wanderte ich querfeldein weiter, bis ich unten im Tal an einem Fluss angekommen war. Alles in allem eine schöne kleine Tour auf der auch einige schöne Fotos entstanden sind. Und natürlich der Beweis, dass der End Point ja gar nicht das Ende ist.
Nach einem Abend mit dem ein oder anderen indischen Bier (ich glaube mittlerweile habe ich das meiste der Kingfisher Produktpalette probiert), ging es dann am nächsten Tag wieder nach Udupi zum Bahnhof. Dort angekommen folgte dann die große Enttäuschung. Die Dame am Schalter versicherte uns glaubhaft, dass sie uns keine Quota-Tickets verkaufen kann und dass sie auch sonst keine Chance sieht irgendwo hin zu kommen.
Ist Manipal also doch der End Point an dem es definitiv nicht mehr weiter geht?
Direktlink zu End Point Manipal: www.borschd.de/?pageid=12&blog=216
Kommentare (0)
| Indien |
von Simon 05.05.2011 18:29 Uhr
Interessanterweise ist eine der ersten Fragen die einem die Inder hier stellen, wenn sie mit einem ins Gespräch kommen ist, wie man denn mit dem indischen Essen klar kommt. Dabei ist das bis jetzt eher weniger spektakulär als man annehmen könnte und man kommt, zumindest hier in Manipal eigentlich auch als Europäer durchaus gut damit klar. Das meiste schmeckt richtig gut. Gewöhnungsbedürftig ist höchstens, dass man eigentlich nicht drum herum kommt mindestens 1-2 mal täglich Reis zu essen und dass praktisch jedes Gericht zumindest ein wenig scharf ist. Gerade mit der Schärfe muss man am Anfang sicher etwas vorsichtig sein und lieber auf für indische Verhältnisse milde Gerichte zurückgreifen. Aber ich denke man gewöhnt sich daran.
Etwas merkwürdig ist manchmal, dass man nicht so genau weiß was man eigentlich gerade isst (und es die Inder, die man fragt manchmal genauso wenig wissen).In der Regel gibt es irgendeine gelbliche Soße mit verschiedenem Gemüse (meistens nicht genauer identifizierbar) und oft einer Art Käse. Gegessen wird das Ganze indem man sich Stücke von einem Weizenfladen abreißt und alles darauf auflädt. Traditionell wird eigentlich mit der Hand gegessen, es gibt aber überall auch Löffel, die auch von vielen Einheimischen genutzt werden.
Ein weiterer großer Unterschied, der sofort auffällt wenn man hier in Indien essen geht ist, dass es auf jeder Karte und bei jedem Buffet die Unterscheidung zwischen Veg und Non-Veg gibt. Was so viel heißt wie vegetarisch oder nicht vegetarisch. Das liegt daran, dass etwa die Hälfte aller Inder Vegetarier sind und diesem Umstand hier natürlich ausreichend Rechnung getragen werden muss. Beim zweiten Hinsehen stellt sich jedoch heraus, dass die meisten der Non-Veg-Gerichte nach europäischem Verständnis trotzdem vegetarisch sind. Scheint auf den ersten Blick verwirrend, ist es aber nicht. Als Vegetarier gilt hier nämlich nur der, der neben Fleisch auch auf Eier verzichtet. Und bei den Non-Veg Gerichten wird hier sehr gerne einfach Ei verarbeitet und gar kein Fleisch. Also können deutsche Vegis hier auch ohne Bedenken Non-Veg-Gerichte essen, die Wahrscheinlichkeit auf Fleisch zu stoßen ist denkbar gering ;-).
Interessant sind auch die indischen Getränke. Wenn man hier irgendeine Limo kauft ist sie gerne mal so süß, dass sie zumindest ich nicht trinken kann. Klasse sind hingegen die verschiedenen Fruchtsäfte wie zum Beispiel Wassermelonen oder Mango-Saft. Außerdem gibt es auch noch wunderbare Mangoshakes mit Milch oder Joghurt. Sicherlich etwas, was ich in Deutschland vermissen werde. Sauberes Wasser ist hier zum Glück auch an jeder Ecke verfügbar. Entweder man kauft es in einem der vielen kleinen Läden oder man kann sogar kostenlos gefiltertes Wasser an der Uni nachfüllen. Leitungswasser sollte man lieber nicht trinken ..
Wenn man mal vom Frühstück absieht ist das Essen und Trinken bisher also gar kein Problem. Beim Frühstück allerdings ist es nicht unbedingt mein Geschmack schon mit irgendeinem scharfen Masala- oder Curry-Gericht in den Tag zu starten. Aber auch diese Problem haben wir mitlerweile mit einem Glas (geschmolzenem) Nutella, Brot und einer Wassermelone gelöst ;-)
Direktlink zu Veg oder Vegi?: www.borschd.de/?pageid=12&blog=215
Kommentare (0)
| Indien |
von Simon 03.05.2011 14:55 Uhr
Auch wenn die indischen Studenten hier sehr hart arbeiten (müssen) lassen sie es nicht natürlich nicht nehmen auch mal feiern zu gehen. Wenns sein muss dann auch Montagabends. Also klingelte gestern um halb 9 das Handy und wir wurden gefragt ob wir mitkommen.
Selbstverstänlich ja .. also ging es dann eine Stunde später los Richtung "den coolsten Laden hier" wie uns die Inder versicherten. Nach einer kleinen Wanderung standen wir dann schließlich vor einem unscheinbaren kleinen Laden mit schwarz abgeklebten Fenstern und der Aufschrift Bar. Tür auf .. und man sieht ... erst einmal nichts, hört nur enorm laut aufgedrehte indische Rockmusik. Nach einer kurzen Orientierungsphase stellt man dann fest wo man tatsächlich ist .. oder auch nicht. Denn was ist das nun für ein Laden? Es ist ungefähr alles was man in Deutschland an Möglichkeiten zum abends weggehen kennt in einen recht winzigen Raum gepackt und das Licht ausgeschaltet. Eine Mischung aus Bar, Sportsbar (natürlich kam Cricket), Disco und Restaurant in absoluter Dunkelheit. Es wird in einem Raum kaum größer als eine Doppelgarage getanzt, getrunken, gegessen, geraucht, geredet und lautstark gejubelt (natürlich übers Cricket Spiel). Zum Getränke holen latscht man einfach durch die Küche, für eine Bar war nämlich kein Platz mehr. Und die Musik ist ein extrem lauter und völlig wilder Stilmix von 90er-Trash über System of a Down bis hin zu David Guetta. Einfach alles was man sich an Musik der letzten 20 Jahre aus Europa, Amerika und Indien vorstellen kann... Aber irgendwie hatten die Inder recht. Schon ein cooler Laden ;-). Wenig cool war höchstens, dass ich beim fotografieren von einem Kellner abgehalten wurde, sodass ich nichts weiter als eine Hand fotografieren konnte. Wahrscheinlich wollte der Kellner die dunkle Atmosphäre bewahren und die Leute vor Licht durch den Blitz "beschützen".
Direktlink zu Indien im Dunkeln: www.borschd.de/?pageid=12&blog=214
Kommentare (0)
| Indien |
von Simon 02.05.2011 13:37 Uhr
.. der viel beschriebene Kulturschock, den man grundsätzlich erwarten muss wenn man nach Indien geht. Ein Wochenende reicht also um jede Menge Kuriositäten zu erleben und festzustellen wie groß die Unterschiede zwischen Indien und Europa tatsächlich sind.
Das erste was einen verwundert sobald man in Indien ankommt ist, dass Inder absolute Bürokraten sind. Wer denkt, dass es in Deutschland bürokratisch zugeht sollte unbedingt nach Indien kommen um sich vom Gegenteil überzeugen. Es beginnt bereits im Flugzeug mit dem Ausfüllen eines ersten Formulares, geht weiter im Flughafen mit ständigen Pass und Visumskontrollen und damit, dass man selbst das Handgepäck beschriften muss bevor man durch die Sicherheitskontrolle geht (fairerweise muss man hier anmerken, dass es dafür beim Gepäck einchecken niemand besonders genau nimmt und auch 9 Kilo Übergepäck niemanden dazu animieren auch nur ein Wort darüber zu verlieren oder gar abzukassieren). Weiter geht der Bürokratismus dann sofort wenn man angekommen ist. Man muss ein Formular für absolut alles ausfüllen. Sogar für einen Bilbliotheksausweis, den man als Praktikant mutmaßlich gar nicht braucht und dabei muss man tatsächlich die Blutgruppe (!) angeben. Keine Ahnung was die hier in einer Bibliothek machen .. vielleicht falls man sich an einem Buch schneidet und spontan so viel Blut verliert dass man eine Spende braucht. Außerdem braucht man für alles ein Passfoto. Weshalb ich dann auch gleich nach dem Ankommen die Ehre hatte von einem Inder auf dem Roller mitgenommen zu werden. Was hier bei diesem Verkehr auch bei nur wenigen Metern eine ziemliche Herausforderung ist. Helme sind hier übrigens weitgehend unbekannt.
Insgesamt hat es etwas mehr als einen Abend und einen weiteren halben Tag gedauert um alle Formalitäten zu erledigen. Alleine hätte man es vermutlich gar nicht geschafft. Zum Glück sind die indischen Studenten hier sehr bemüht und helfen bei allem. Man hat sogar den Eindruck, dass sie permanent über alle Probleme nachdenken, die man hier haben könnte und alle für einen lösen möchten. Und das alles obwohl sie gerade mitten im Prüfungsstress stecken.
Nachdem das alles erledigt war und wir endlich per Internet und Handy mit der Welt verbunden waren ging es dann zum ersten mal auf ein indisches Bierchen in eine indische Bar bzw. eigentlich mehr vor eine indische Bar. Denn der bekannteste Laden hier in der Stadt ist nichts weiter als eine Garage mit Theke. Man holt sich Getränke und stellt sich auf die Straße und trinkt. Insgesamt herrscht eine sehr entspannte Atmosphäre und man trifft permanent neue Leute. Diese sind dann wieder fürsorglich wie immer und kümmern sich sogar darum, dass man mit der Riksha nach Hause kommt ohne einen überteuerten Ausländerpreis dafür zu bezahlen, auch wenn man sie erst seit fünf Minuten kennt.
Überhaupt sind die Inder alle unglaublich freundlich und hilfsbereit. Wenn sie merken, dass man irgendein Problem hat weichen sie einem nicht von der Seite bis sie es gelöst haben. Egal ob sie gerade eigentlich etwas besseres zu tun hätten oder nicht.
Am nächsten Tag haben wir es erst einmal ruhig angehen lassen, etwas länger geschlafen und uns vor Ort etwas umgeschaut. Dabei fällt sofort auf, dass es selbst hier in einer fast reinen Universitätsstadt enorme Gegensätze gibt. Auf der einen Seite modernste Glasfassaden, Sportanlagen, gepflegte Parks .. alles wesentlich hübscher und moderner als an den meisten deutschen Unis. Und auf der anderen Seite auch Leute die am Straßenrand betteln oder bei 35 Grad in der Sonne liegenden Fisch verkaufen möchten. Mit Sicherheit sind diese Gegensätze in den großen Städten sogar noch viel größer.
Nach dem Mittagessen wurden wir noch von zwei Indern aus der Bar vom Vorabend zum so genannten „Ending Point“ mitgenommen. Das ist der Punkt, wo der Hügel auf dem die Uni hier gebaut ist aufhört. Wenn man ins Tal blickt sieht man praktisch nur noch Palmen. Außerdem gibt es dort noch auf dem Berg einen schönen Park, das Fußball- (bei dem es auch niemand stört wenn heilige Kühe darauf grasen) und natürlich das Cricket-Feld. Cricket ist sowieso ein ganz spezielles Thema in Indien und wird hier als „Nationalreligion“ angesehen. Aber dazu vielleicht ein Ander mal .. wenn ich vielleicht selbst mal dieses merkwürdige Paddel geschwungen habe.
Nachmittags ging es dann mit einer Gruppe Inder ab zum Strand und dort wurde es dann so richtig kurios. Sonntags sind sehr viele der Einheimischen zum Baden am Strand und die indische Badekultur ist nicht im entferntesten mit der europäischen zu vergleichen. Gebadet wird fast ausschließlich in den ganz normalen Klamotten die man gerade an hat. Für Männer heißt das meist lange Hosen und T-Shirt und Frauen gehen in ihren Gewändern baden. Der muslimische Teil der weiblichen Bevölkerung sogar voll verschleiert. Schwimmen kann hier glaube ich auch niemand so richtig, zumindest sieht es bei niemand besonders gekonnt aus. Vielleicht liegt es aber auch einfach daran dass die lange Hose und das T-Shirt stört. Wenn man dann genug vom Baden hat dann stellt (!) man sich in der Regel für mehrere Stunden an den Strand. Badetücher oder liegen sind unbekannt. Ganz wenige setzen sich im Sand hin. Übrigens bleibt man auch am Strand nicht von permanentem Hupen verschont, es läuft nämlich immer ein Verkäufer herum, der sein Fahrrad schiebt und andauernd hupt um sein Eis zu verkaufen. Unterbrochen wird das Hupen höchstens durch ein lautes lang gezogenes „Eiscreme“. Ja richtig, „Eiscreme“. In deutscher Aussprache, nicht „Icecream“ oder so etwas. Könnte vielleicht daran liegen, dass er wie viele der normalen Bevölkerung hier nicht wirklich Englisch spricht .. oder er kann einfach Deutsch ;-).
Nach einer abenteuerlichen Busfahrt ging es dann noch Abendessen und einen Kaffee trinken. Inder trinken allerdings eher Milch mit einem Schuss Kaffee als umgekehrt. Und in der Regel wird das Ganze dann wohl auch noch mit Tonnenweise Zucker gesüßt.
Gab also eine ganze Menge zu erleben an einem einzigen Wochenende in Indien. Da wird wohl noch einiges spannendes und kurioses auf mich zu kommen …
Direktlink zu Da ist er ja schon ..: www.borschd.de/?pageid=12&blog=213
Kommentare (2)
| Indien |
von Simon 01.05.2011 07:26 Uhr
So da bin ich nun also … irgendwo im indischen Palmenwald, wo ich die nächsten 8 Wochen verbringen werde. Nach nicht ein mal zwei Tagen in Indien gibt es schon eine Menge zu berichten. Also fange ich einfach mal mit der Reise an.
Die Reise hier her war in erster Linie lang und ist ziemlich schnell erzählt: Erst mit der Bahn nach Frankfurt (hat sogar alles ohne Probleme geklappt), dann warten, einchecken, warten, Sicherheitscheck, warten, fliegen (und das ganze drei mal). War also nicht besonders spannend das Ganze, erstaunlich war höchstens, dass der Pilot in Dubai in mitten hell erleuchteter bis zu 10 spuriger und fast leerer Straßen tatsächlich die Landebahn gefunden hat. Nach etwa 30 Stunden Reise war ich dann in Mangalore und wurde sogar wie vereinbart vom Uni-Taxi abgeholt.
Und damit ging das Abenteuer Indien so richtig los. Taxifahren oder generell jede Art der Fortbewegung im indischen Straßenverkehr ist mit absolut nichts zu vergleichen was man von Europas Straßen kennt. Eigentlich herrscht hier ein Linksfahrgebot, gefahren wird aber links, recht, in der Mitte und wenn der Platz nicht reicht auch mal neben der Straße. Überholt wird grundsätzlich immer. Egal ob in Kurven, bei Gegenverkehr oder eben auf dem Gehweg. Es beunruhigt auch niemanden wenn zwei Autos frontal aufeinander zu fahren. Einer von beiden wird schon irgendwann ausweichen. Und natürlich wird permanent gehupt. Jedes Überholmanöver wird mit mehrmaligem Hupen angekündigt. An Kreuzungen wird nicht lange geschaut sondern lieber gehupt und gefahren, die anderen werden schon bremsen. Und das erstaunlichste daran: Es funktioniert. Trotz jeder Menge fast-Unfälle ist am Ende nichts passiert. Vielleicht liegt es daran, dass die wenigen die in Indien Autos, Rikshas oder Busse bewegen fast alle Berufsfahrer sind und entsprechend geübt. Auf jeden Fall ist es eine erstaunliche Leistung hier unfallfrei irgendwo hin zu kommen. Übrigens auch als Fußgänger. Es soll schon Leute gegeben haben die hier zum überqueren einer größeren Straße lieber eine Riksha mieten, anstatt zu Fuß zur anderen Seite zu laufen.
Direktlink zu Road to nowhere: www.borschd.de/?pageid=12&blog=212
Kommentare (0)



